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erschienen in der Thüringer Landeszeitung vom 11.05.2004

Das Fleisch hat seinen Preis

Altstadt. (tlz/mis) Mit Shakespeare haben sie nichts am Hut, die Darsteller des Kollektiv_nina_machts. Die Premiere ihrer Inszenierung "Romea und Julio - Keine Liebe am Gemüseregal" jetzt im Johannes-Lang-Haus fand trotzdem regen Zuspruch - volles Haus für ein Ränkespiel um Liebe, Geld und Leiden.

Die Geschichte des Kollektivs dreht sich um die Imbissbude Julios. Romea ist ein Landei, das von den Reichen der Stadt verheizt wird, und Julio ihr herzloser, geldgieriger Zuhälter. Eine Wendung scheint das Leben Romeas zu nehmen, als Balthasar, der Imbiss-Angestellte, sich in sie verliebt. Doch hat er ihr nichts zu bieten als seine Liebe und muss mitansehen, wie sie sich durch falsche Versprechungen ins Nobelbordell des Herrn Juliani locken lässt. Ganz in Schwarz treten die Charaktere des Stückes in beschränkter Umgebung auf - mit Stöcken an den Armen, die ihre Gefangenheit im System symbolisieren. In den stärksten Szenen geht Judith Schütze völlig in der charmant-naiven, nach Sicherheit suchenden Romea auf. Mit schüchternen Blicken nähern sich die Liebenden, tauschen Küsse und Stöcke, um mit Bestürzung im Gesicht das Ende vorauszuahnen.

Zwischen den Spielszenen singen sich die Darsteller ihre Sehnsüchte von der Seele - bei den "Superstars" sicher ohne Chance, im Stück aber stets platziert und lebensnah. Durchbrochen wird die Geschichte von Werbung - Seitenhiebe auf die Konsumgesellschaft, in der man für eine weiße Weste nur Waschmittel und für die "echte" Liebe nur eine Gummipuppe kaufen muss. Romeas Lied setzt daher den provokanten Schluss- und Anknüpfungspunkt an aktuelle Diskussionen um den Wert menschlichen Lebens: "Ein Stück Fleisch hat einen Preis. Auch ich, ich habe einen."

 

* Romea und Julio

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