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erschienen in Oscar am Freitag, 2003

Kontinuität und Dialektik - 3 Jahre Theater mit dem Erfurter "kollektiv_nina_machts"

Das Erfurter Theater "kollektiv_nina_machts" feiert in diesem Jahr seinen 3. Geburtstag und ist längst nicht mehr die große Unbekannte. Davon konnten sich kürzlich auch die Gothaer überzeugen, als das "kollektiv" in der Residenzstadt gastierte.

Gegründet wurde das "kollektiv_nina_machts" im Jahr 2000 vom Erfurter Szene-Hipster und Top-Organisator Poul Weygel und dem Dichter Alexander Platz (gebürtig aus Gotha). Noch im selben Jahr war die Bühne bereitet und es konnte Premiere gefeiert werden. Mit wechselnder Verstärkung wird seit dem kontinuierlich gearbeitet. Allein die Titel aller bisherigen Produktionen ("einemannundzweifrau"; "Radtknecht, das erste Mal und warum Nebelkrähen in Behandlung sind"; "Die Glasoberen - ein überflüssiges Märchen aus Leiter"; "Tanko Laulu") lassen erahnen, dass es sich beim "kollektiv_nina_machts" nicht unbedingt um klassisches Theater handelt. Als zentrales Thema erweist sich immer wieder die herrliche Dialektik zwischen Werden und Vergehen. Natürlich kommt auch das "kollektiv" dabei nicht um die zentralen Kategorien - Liebe und Glück - herum. Diese erscheinen jedoch nicht als individuelle Fluchtattitüde, sondern vielmehr als politischer Imperativ bzw. gesellschaftliche Forderung. Das zeigt sich sowohl in der Umsetzung, als auch in den verarbeiteten Texten, die zum größten Teil von Alexander Platz stammen. So auch das neue Stück ("Romea und Julio - keine Liebe am Gemüseregal"), das Ende Februar 2004 zur Aufführung kommen wird.

Aber nicht nur auf der Theaterbühne beweist das "kollektiv_nina_machts" Kontinuität. Bereits das dritte Mal in Folge fungiert das "kollektiv" als Herausgeber für einen Jahreskalender, der auf angenehme Weise aus dem hervorsticht, was sich zur Zeit in den Regalen diverser Geschäfte stapelt. Nach wie vor erscheint er streng limitiert, obwohl die Nachfrage eine höhere Auflage zuließe. Diese Exklusivität ist jedoch Prinzip. Zwölf Gedichte, natürlich von Platz, gilt es mit den Monaten eines Jahres zu entdecken. Dabei hat der Dichter wieder einmal für alles gesorgt. Mit Humor, Witz und Melancholie nähert er sich, in gewohnter Leichtigkeit, den großen Fragen unserer Zeit. Nahezu kongenial ergänzt werden Platzens Texte, nun auch schon zum wiederholten Male, durch die Bilder des Berliner Fotographen Thomas Riechert. Riechert, der sich in der Szene bereits einen Namen gemacht hat, gelingt es dabei in seinen Bildern auf spielerische Art und Weise Skurriles und Absurdes in scheinbar ganz Alltäglichem sichtbar zu machen.

 

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