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erschienen im Freien Wort vom 01.02.2003, von A. Appelfelder

Zuhause, das sind die Anderen

... Bühnenscheinwerfer, zwei große Fensterrahmen mit Jalousien und einige weitere spartanische Requisiten, die auf eine Wohnungseinrichtung schließen lassen. Drei Menschen, die offensichtlich im gleichen Haus wohnen, sich aber nicht kennen. Da ist Klaus (Alexander Platz), ein existenzphilosophisch denkender Mann, der niemanden um sich kennt. Da ist die philantrophe Charlotte (Rikuscha Engels), die zu viele Freunde hat, obskurer Weise aber gerade deswegen zu Hause bleibt. Und da ist der Pragmatiker Sören (Poul Weygel), der überhaupt niemanden um sich herum zu brauchen scheint. Obwohl die drei dicht beieinander wohnen, sind sie sich fremd. Der Grundgedanke des Stückes erschließt sich allmählich: Wo liegen die Unterschiede zwischen Alleinsein und Einsamkeit? In Endlosschleifen wurden stereotype Handlungsabläufe wie Fensterputzen oder das Aufräumen parodiert; das Szenario wurde nur durch kurze Musikeinlagen unterbrochen. Jeder der Protagonisten agierte dabei für sich allein, es dauerte schon eine Zeit, bis die drei erstmalig voneinander Notiz nahmen. Und nachdem dann sogar erste Kontaktaufnahmen in Form zufällig wirkender Kommunikation stattfanden, mochte man schon aufschlussreiche Dialoge erwarten. Doch weit gefehlt. Die kontaktfreudige Charlotte wurde von dem mit übermäßigen Abwehrreaktionen beschäftigten Sören unmissverständlich abgewiesen, und Klaus zeigte sich zunächst überaus verwundert, als er feststellen musste, dass es außer ihm noch andere Menschen gibt. Immer wieder wurden absurde (Um)Wege beschrieben, miteinander in Kontakt zu kommen. Diese jedoch gipfelten meistens in Trostlosigkeit und Missverständnissen. Mit der Ausnahme, dass die Individuen - inspiriert von Charlottes reizvoller weiblicher Laszivität - einen gemeinsamen Orgasmus durchleben. Doch selbst der im Trio versöhnlich vorgetragene finnische Schlusssong enthielt unharmonisch schräge Zwischentöne, eine Lösung aller Fragen und Probleme in Form eines Happy Ends blieb den Zuschauern erspart. "Tanko Laulu - Zuhause, das sind die Anderen" ist eine Zustandsbeschreibung, an diesem Freitag hervorragend und detailverliebt gespielt. Humorvolle Einlagen wechselten in rasanter Folge mit trübselig anmutenden Szenen. Allen voran wusste Poul Weygel das Publikum durch sein teilweise exzessiv überzogenes Spiel genauso zum Lachen zu bringen, wie Rikuscha Engels andererseits in der Lage war, depressive Stimmungen zu schaffen. ...

 

* Tanko Laulu

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